
Die unterschätzten Brandgefahren im Büro
Wer an Brandgefahren im Betrieb denkt, hat meist Funkenflug in der Produktion oder Chemikalien im Lager vor Augen. Das Büro gilt oft als sicherer Hafen. Ein fataler Trugschluss: Ein Großteil aller Entstehungsbrände in Verwaltungsgebäuden wird durch scheinbar verharmloste Alltagssituationen ausgelöst.
Ob der private E-Scooter unter dem Schreibtisch, die verkettete Mehrfachsteckdose hinter dem Schrank oder die Kaffeemaschine im Kaffeeküche-Dauerbetrieb – elektronische Geräte und brennbare Materialien bilden eine oft unterschätzte Kombination.
Die 5 häufigsten Brandfallen im Büroalltag
- Überlastete Steckdosenleisten: Das sogenannte „Kaskadieren“ (Steckdose in Steckdose stecken) führt zur Überhitzung der Kontakte und kann unbemerkt Kabelbrände hinter Möbeln verursachen. Die Sicherung im Sicherungskasten schützt nämlich oft nur die Wandsteckdose, nicht aber die überlastete Leiste am Boden.
- Private Ladegeräte & Akkus: Bei billigen Import-Netzteilen ohne Prüfzeichen fehlen oft wichtige Schutzbauteile. Unter Dauerstrom kann es im Gehäuse leicht zum Kurzschluss kommen. Wird ein Handy-Akku beschädigt oder gequetscht, kann er zudem in eine unaufhaltsame Überhitzung (Thermal Runaway) geraten und schlagartig in Flammen aufgehen.
- E-Scooter & E-Bike-Akkus: In diesen Akkus steckt enorm viel Energie. Kommt es beim Laden zu einem Defekt, brennt der Akku sehr heiß ab und setzt stichflammenartig giftige, teilweise auch explosive Gase frei. Steht der Scooter im Flur oder nahe der Tür, wird der Rettungsweg innerhalb weniger Sekunden durch dichten Rauch versperrt.
- Unsachgemäße Papierlagerung: Wenn Kartons oder Aktenberge direkt an den Lüftungsschlitzen von Kopierern oder Heizlüftern stehen, staut sich die Wärme im Gerät, bis das Gehäuse schmilzt oder Feuer fängt. Das nahe Papier dient dann als sofortiger Brandbeschleuniger und lässt das Feuer rasend schnell auf den ganzen Raum übergreifen.
- Kaffeeküchen & Elektrogeräte: Verkalkte Wasserkocher oder Kaffeemaschinen schalten oft nicht mehr automatisch ab. Das Gerät heizt trocken weiter, schmilzt und gerät schließlich in Brand. Auch ungewaschene Toaster sind gefährlich: In ihnen sammeln sich Krümel, die bei jedem Toasten weiter verkohlen und sich irgendwann entzünden können.
Technik schützt nicht von allein: Warum der Faktor Mensch entscheidet.
Die beste Sprinkleranlage und die modernsten Feuerlöscher nützen wenig, wenn MitarbeiterInnen im Ernstfall zögern oder Brandgefahren im Alltag schlichtweg nicht erkennen. Die effektive Gefahrenverhütung steht und fällt mit dem Sicherheitsbewusstsein des Teams.
Handeln Sie, bevor es brennt:
Eine fundierte Ausbildung zum Brandschutzwart oder Brandschutzbeauftragten befähigt Sie oder Ihr Personal, Gefahrenquellen präventiv zu identifizieren, Brandschutzordnungen praxisnah umzusetzen und im Notfall besonnen zu handeln. Investieren Sie in Ihre eigene Sicherheit.
Autor:
Erwin-Christopher Oppenauer, Geschäftsführer & Co-Founder von RG Safety OG | Brandschutz- & Sicherheitsexperte, Trainer in der Erwachsenbildung













